Können PDF-Dokumente barrierefrei sein?

Seit langem hält sich hartnäckig das Gerücht, PDFs könnten nicht barrierefrei sein. Diese Annahme hält sich auch deshalb, weil bestehende Möglichkeiten zu selten genutzt werden und teilweise zu wenig bekannt sind.
Die Tags und Techniken, um PDFs für alle Menschen zugänglich zu machen, muss man kennen. Im Vergleich zu HTML sind sie weniger verbreitet. Hinweis: HTML verfügt nicht nur über viele systemeigene Tags und Attribute, sondern das W3C hat zusätzlich ARIA-Tags eingeführt, um die Barrierefreiheit weiter zu verbessern.
Letztlich sind die Ersteller von Websites und PDF-Dokumenten dafür verantwortlich, Inhalte zugänglich aufzubereiten. Wenn sie wissen, was sie tun, lassen sich sowohl Websites als auch PDFs auf Barrierefreiheit optimieren.
Sobald diese Techniken bekannt sind und angewendet werden, eröffnen sich viele Möglichkeiten. Für Webseiten steht eine große Vielfalt an Werkzeugen zur Verfügung, aber auch die Werkzeuge für PDF-Dateien sind in den letzten Jahren deutlich vielseitiger geworden.
Drei Teile zur Barrierefreiheit
Das Thema PDF und Barrierefreiheit wird in drei Teilen beleuchtet. In diesem ersten Teil geben wir einen allgemeinen Überblick. In Teil 2 zeigen wir, wie ein barrierefreies PDF konkret aussieht. Im dritten Teil behandeln wir Konflikte und ziehen ein Fazit zum Mythos, PDFs könnten nicht barrierefrei sein.
Teil 1: Allgemeiner Überblick zur Barrierefreiheit in der digitalen Welt
Im Zuge der Digitalisierung ist der universelle und uneingeschränkte Zugang zu Dokumenten immer wichtiger geworden. PDF-Dokumente sind schnell erstellt, sehen auf verschiedenen Geräten konsistent aus und sind breit nutzbar. Das betrifft den digitalen Versand, das Drucken, Formulare und generell die Bereitstellung von Informationen.
Barrierefreiheit bedeutet „uneingeschränkter Zugang für alle“ und bezieht sich auch auf das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG), das Benachteiligungen aufgrund von Behinderungen verhindern soll. Ein bekanntes Beispiel ist der Zugang zu Gebäuden ohne fremde Hilfe. Übertragen auf den digitalen Raum bedeutet das: Informationen, auch in PDF-Dokumenten, müssen für alle Menschen zugänglich und nutzbar sein.
Stehen PDF-Dokumente allen Menschen uneingeschränkt zur Verfügung?
Ein Problem entsteht immer dann, wenn Menschen auf Inhalte nicht zugreifen können und Informationen damit nicht allen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Das betrifft beispielsweise Menschen mit Behinderungen, die ohne geeignete Hilfsmittel keinen Zugang zu PDF-Dokumenten haben. Blinde oder sehbehinderte Menschen benötigen etwa einen Screenreader, um ein PDF lesen bzw. hören zu können. Öffentliche Stellen sind deshalb gesetzlich verpflichtet, digitale Angebote barrierefrei bereitzustellen.
Während sehende Menschen ein PDF visuell erfassen können, benötigen blinde oder sehbehinderte Menschen dieselben Informationen in strukturierter, assistiv nutzbarer Form. Das betrifft Überschriften, Absätze, Listen, Verweise, Tabellen und Verzeichnisse. In der Regel funktioniert das nur, wenn Dokumente entsprechend aufbereitet sind.
Für die Erstellung eines barrierefreien PDF-Dokuments sind unter anderem wichtig: Tags (damit Screenreader und Sprachausgabe funktionieren), Dokumententitel, Dokumentensprache, passende Sicherheitseinstellungen (assistive Technologien müssen zugreifen können), eine konsistente Gliederung, Lesezeichen zur Navigation, Alternativtexte für Grafiken, sowie ausreichend Kontrast für bessere Lesbarkeit.
Mehr Details zur Erstellung barrierearmer und barrierefreier PDFs finden Sie im Teil 2.
PDF-Dokumente und Barrierefreiheit
PDF-Dokumente werden häufig genutzt, weil sie universell einsetzbar sind und auf vielen Geräten gelesen werden können. Damit werden einerseits Barrieren abgebaut. Andererseits können blinde oder sehbehinderte Menschen PDFs nicht ausreichend nutzen, wenn diese nicht barrierefrei aufbereitet sind und von Screenreadern nicht korrekt erfasst werden.
Aufgrund des Behindertengleichstellungsgesetzes sind öffentliche Stellen verpflichtet, digitale Angebote barrierefrei zu gestalten. Das bedeutet, dass bei der Erstellung von PDF-Dokumenten auf barrierefreie Strukturierung und eine abschließende Prüfung geachtet werden muss. Die Erstellung und Validierung barrierefreier PDFs ist nicht immer trivial und bleibt ein wichtiges Handlungsfeld. Mehr zu Konflikten bei der Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente finden Sie im Teil 3.